Ohne Pause durch sechs Länder!!!


Anfang der 70er-Jahre stand der Begriff „Rallye“ nicht nur für die heute bekannten Bestzeitenveranstaltungen, sondern für eine Vielzahl von ähnlichen Motorsportaktivitäten. Diese wurden von zahlreichen verschiedenen Clubs veranstaltet und so verschieden waren daher auch die „Rallyes“. Auf internationaler Ebene setzte sich langsam aber sicher die Jagd nach Bestzeiten mit getunten Spezialautos auf abgesperrten Passagen durch. Aber es gab auch noch die sogenannten Orientierungsfahrten, bei denen die Beifahrer deutlich mehr gefordert waren als die Fahrzeuge und deren Fahrer. Eine Kombination aus diesen beiden Veranstaltungstypen waren die „Zuverlässigkeitsfahrten“, die von den Teilnehmern oft kurz als „Zuvi“ bezeichnet wurden und dem ursprünglichen Charakter der alten Rallyes noch am meisten entsprachen. Der Ulmer Motorsportclub veranstaltete unter dem Begriff „Europa-Rallye“ 1973 eine solche Zuvi. Diese Langstreckenfahrt ging auf öffentlichen Straßen über gut 2400 km und musste in 48 Stunden – also „Non-Stop“ – absolviert werden. Was heute vielleicht relativ einfach klingt, war vor gut 50 Jahren schon eine extreme Herausforderung. Die Strecke führte von Ulm aus über Österreich, Ungarn, Jugoslawien, Italien und die Schweiz wieder zurück nach Ulm. Es wurde „analog“ – also nach Karten – gefahren. Hilfsmittel wie Handy und Navi gab es nämlich noch gar nicht. Es waren sechs Grenzen mit den damals üblichen, zeitlich schwer kalkulierbaren Verzögerungen durch die Passkontrollen, zu überqueren. Ungarn und Jugoslawien lagen zudem noch hinter dem Eisernen Vorhang und gehörten zum eigentlich „streng kommunistischen“ Ostblock. Zum Glück waren diese beiden Länder schon damals tourismusorientiert und daher nicht ganz so hart im Ausleben ihrer politischen Grundeinstellung. Trotzdem war Benzin dort meist rar und oft von nicht besonders guter Qualität. Der Herausforderungen „Europa-Rallye“ stellten sich seinerzeit auch einige Teams unseres Nachbarvereins MC Kesseltal. Um das Problem „Spritqualität“ etwas zu mildern und um natürlich auch Zeit bei dem einem oder anderen Tankstopps zu sparen, bauen sie kurzerhand Zusatztanks in ihren „Einsatzfahrzeuge“. Das waren damals meist noch die Alltagsfahrzeuge der Starter. So gingen die Kesseltaler mit leicht verbesserten Autos der damals zum Straßenbild gehörenden Typen – wie VW Käfer und Ford Capri – an den Start. Wichtigste Ergänzung neben der bereits erwähnten Erhöhung des Spritvorrates waren sehr leistungsstarke Zusatzscheinwerfer von Bosch für die beiden – mit möglichst hoher Geschwindigkeit – zu durchfahrenden Nächte. Die durchwegs guten Ergebnisse unserer Nachbarn aus dem Kesseltal sind auf den beigefügten Bildern zu ersehen. Aus den Reihen dieser verwegenen Rallyepiloten gingen – wie auch beim Motorclub Neuburg – in den 80ern einige Fahrer hervor, die erfolgreich in die seinerzeit noch aufstrebende neue Offroad-Sparte „Autocross“ wechselten.
(Fotos: MC Kesseltal)




